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"Der Schutz macht den Unterschied!"
Interview mit der Geschäftsführung der DREHTAINER GmbH

Im Gespräch: Die Geschäftsführer Reinhard Glombek (links) und Jens Harder sowie HHK-Chefredakteur Jürgen K.G. Rosenthal.

Jan Hendrik Wissink ist verantwortlich für Projekte im Einsatzland.

Seit 1995 entwickelt DREHTAINER Container basierte Feldlagerkonzepte für militärische Missionen.

Die Schutzkomponenten sind in Containern bereits integriert werden bei Bedarf nachträglich adaptiv mit jeweils höher werdenden Schutzgraden nachgerüstet.

Von der Idee über die Lösung bis hin zur Umsetzung in Konstruktion und Fertigung – Made by DREHTAINER.

Reinhard Glombek: „MFD ist eine Konzeptstudie, mit der wir unsere Kompetenz in Sachen Schutz und Mobilität darstellen.

Der Schutz kann bei Bedarf adaptiv mit jeweils höher werdenden Schutzgraden nachgerüstet werden.
Nach dem Ausscheiden des Firmengründers Helmut Meyer im Dezember 2011 aus der DREHTAINER GmbH und der Bestellung eines neuen Geschäftsführers hat sich nunmehr ein neues Trio von geschäftsführenden Gesellschaftern gebildet. Zugleich wurde damit ein über Jahre dauernder Prozess der Unternehmensnachfolge abgeschlossen.
Mit den Geschäftsführern Reinhard Glombek, Jens Harder und Jan Hendrik Wissink, sprach kürzlich am Firmensitz Valluhn HHK-Chefredakteur Jürgen K.G. Rosenthal.
HHK: Nach mehr als 35 Jahren verlässt der Firmengründer Helmut Meyer das Unternehmen. DREHTAINER wird nunmehr von drei Geschäftsführern geleitet. Welche Aufgaben werden von wem in der Geschäftsführung wahrgenommen?
Glombek: Herr Meyer ist Ende vergangenen Jahres aus der Firma DREHTAINER nach einem lange geplanten und wohl überlegten Verfahren ausgeschieden. Jens Harder und ich sind seit 2004 Mitgesellschafter und Geschäftsführer der Firma. Hr. Meyer hat frühzeitig seine Nachfolge geplant, uns in die Verantwortung genommen und sich danach sukzessive aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. Wir freuen uns, dass Herr Meyer der DREHTAINER GmbH auch in Zukunft als Berater zur Verfügung steht.
Bei der Aufgabenteilung zeichnet Jens Harder von Beginn an verantwortlich für den technischen Bereich mit der Fertigung und Konstruktion, während ich mich den administrativen und den kaufmännischen Aufgaben widme.
Ein weiterer geschäftsführender Gesellschafter ist seit Januar 2012 Jan Hendrik Wissink. Bereits seit 4 Jahren im Unternehmen kommt er aus dem aktiven militärischen Dienst und hat in der Vergangenheit Feldlager für die Einsätze der holländischen Armee geplant und war dabei auch verantwortlich für die Ausgestaltung der Schutzkonzepte. Insofern verfügt er über sehr belastbare Erfahrungen. Bei DREHTAINER ist er verantwortlich für Projekte sowie Montagen im Einsatzland.
Zur Betreuung unserer Kunden verbringt er viel Zeit vor Ort.
Diese Verantwortlichkeiten haben sich sehr kontinuierlich entwickelt. Der letzte Schritt von Helmut Meyer aus der Firma heraus war für DREHTAINER nur ein weiterer und gut geplanter Schritt in die Zukunft.
HHK: Ein Wechsel an der Unternehmensspitze hat oftmals auch einen Wechsel der Zielsetzung zur Folge. Trifft dies auch für DREHTAINER zu und wie sehen heute die Unternehmensziele aus?
Glombek: Die Unternehmensziele werden sich nicht wesentlich verändern, aber – und das ist bei DREHTAINER schon immer so gewesen – das Unternehmen hat sich natürlich im Laufe seines Bestehens gewandelt. Wir sind in Nischenmärkten, in unterschiedlichen Bereichen und nicht nur im militärischen Umfeld tätig. So haben wir eine starke Kompetenz im Nuklearbereich, wenn es darum geht, aktivierte Materialien zu handhaben, zu transportieren, zu lagern bzw. abzuschirmen. Wir werden weiterhin spezielle Lösungen für die Industrie entwickeln, etwas, was wir schon immer neben dem militärischen Markt betrieben haben. Im Prinzip ist DREHTAINER ein Ingenieurbüro mit angeschlossener Prototypen- und Kleinserienfertigung. Zurzeit haben wir 60 Stamm-Mitarbeiter, davon 30 in der Fertigung und 15 Mitarbeiter im Bereich Konstruktion und Dokumentation.
Das zeigt, dass unsere Schwerpunkte in der Entwicklung technischer Lösungen und deren Umsetzung liegen. Wir werden insofern unserer Geschichte treu bleiben, uns den Forderungen des Marktes stellen und nötigenfalls neu orientieren. Letztlich wird es keine grundsätzliche Änderung der Geschäftspolitik geben.
HHK: DREHTAINER hat sich auf die Entwicklung und Fertigung von Spezialcontainern und –fahrzeugen, unter anderem für Streitkräfte konzentriert. Im Rahmen des ISAF-Einsatzes hat sich das Unternehmen auf modulare Feldlager-Container und deren Schutzausstattung spezialisiert und diese für verschiedene Armeen geliefert. Können Sie die DREHTAINERLösungen im Feldlagerschutz näher erläutern?
Wissink: Seit etwa 1995 haben wir uns mit der Lösung von Aufgaben für militärische Missionen beschäftigt und dafür Container basierte Feldlagerkonzepte entwickelt. Seit Beginn der ersten Friedensmissionen der Bundeswehr im Ausland ist DREHTAINER mit dabei. Den ersten großen Durchbruch als Lieferant für die Bundeswehr hatten wir 1998/1999 im Zusammenhang mit der bevorstehenden Kosovo-Mission, als der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping sagte: „Meine Soldaten werden nicht frieren und ordentlich untergebracht.“ Dadurch initiiert entstand ein Feldlagerkonzept für das wir in den Jahren 1998 bis 2003 insgesamt rund 3.500 Container für die Einsätze der Bundeswehr im Ausland liefern konnten. Schnell war erkennbar, dass dieses kein einmaliges Projekt sein würde, sondern alle Nationen, die sich an solchen Missionen beteiligten einen großen Bedarf zur Schaffung einer entsprechenden Infrastruktur hatten.
Die Amerikaner haben uns dieses Container basierte Konzept bereits seit Ende der 60er Jahre vorgemacht. Die Bundeswehr hat sich diesem System angeschlossen und damit das Vorbild der Amerikaner zur Nutzung einer weltumspannenden Logistikkette übernommen. Dieses System haben wir aufgegriffen und daraus ein modulares System entwickelt, das man sehr leicht und ohne logistische Probleme weltweit einsetzen kann. DREHTAINER hat sich hierbei seit 2000 auf Schutz im Einsatz, ausgelöst durch die Bedrohungslage im Kosovo und in Afghanistan spezialisiert. Aufgrund der vielen schweren Angriffe auf Feldlager und Einrichtungen der ISAF-Truppen hat DREHTAINER ein System von Feldlagerkomponenten auf der Grundlage von ISO 20-Fuß-Containern entwickelt. So können wir komplette Gebäude und Einrichtungen, wie Kantinen, Küchen, Hospitäler, Unterkünfte, Arbeitsbereiche, Wachtürme, Zugangsbereiche usw. modular abbilden. Die Module werden vor Ort aus den Containern zusammengefügt und verfügen dann über einen spezifischen Schutz, der eentweder schon im Container integriert ist oder adaptiv – auch nachträglich – angebracht werden kann. Dieses System und unsere großen Erfahrungen mit ihm haben uns vorangebracht und sind eine gute Grundlage für die Zukunft.
HHK: Ihr Werbeslogan lautet. „DREHTAINER – Der Schutz macht den Unterschied!“ Können Sie das näher erläutern?
Harder: Als die Bundeswehr an ersten Auslandseinsätzen teilnahm, war die eigentliche Bedrohung Wind und Wetter, der es galt entgegentreten zu müssen. Es wurde jedoch sehr schnell klar, dass das nicht die einzige Bedrohung war, sondern dass die Soldaten im Einsatzland Angriffen von Konfliktparteien ausgesetzt waren. Bereits im Jahr 2000 haben wir erste ballistische und Blast-Versuche durchgeführt, um Schutz für die Soldaten im Einsatz entwickeln und anbieten zu können.
Aufgrund der Bedrohungslage bei den Friedensmissionen auf dem Balkan spielte der Schutz bei der Entwicklung der Feldlagerkonzepte innerhalb der Bundeswehr zunächst eine untergeordnete Rolle. Damals hieß es noch, dass dort wo unsere eigenen Soldaten sind, nicht geschossen wird. Davon unbeirrt haben wir uns mit Schutzkonzepten beschäftigt und konnten schließlich in 2004 das erste hochgeschützte Gebäude, eine Operationszentrale für den Einsatz in Afghanistan, an die Bundeswehr ausliefern. Hierbei handelte es sich um eine Containerlösung aus sechs Containern, aus der die Operationsführung unter Schutz in einem Feldlager ermöglicht wurde. Dazu haben wir basierend auf unserem in den Jahren zuvor erworbenem Knowhow, ein Konzept mit hohem Schutzniveau präsentieren können. Dieses wurde durch die Wehrtechnischen Dienststellen der Bundeswehr erprobt und erhielt die erforderliche Qualifizierung. Davon getragen haben wir uns in diesem Bereich spezialisiert und konnten auch anderen Streitkräften gute Lösungen für den Einsatz anbieten, die individuell auf die jeweilige Lage zugeschnitten waren. Im Ergebnis haben wir einen Schutz entwickelt, der in Containern bereits integriert ist, oder bei Bedarf nachträglich adaptiv mit jeweils höher werdenden Schutzgraden nachgerüstet werden kann. Damit verfügen wir über ein System, das sich von allen anderen Herstellern unterscheidet. Dies begründet auch unseren Slogan: „Der Schutz macht den Unterschied.“
Glombek: Ein weiterer Grundsatz ist, dass alles, was DREHTAINER macht, auch von DREHTAINER kommt, das heißt von der Idee über die Lösung bis hin zur Umsetzung in Konstruktion und Fertigung. Für die Anpassung der Fertigungskapazitäten gibt es eine Reihe von Partnerfirmen, mit denen uns eine langjährige Zusammenarbeit verbindet. Fazit: Wo DREHTAINER drauf steht ist auch DREHTAINER drin.
HHK: Im medizinischen Produktionsbereich von DREHTAINER werden militärische sowie auch zivile Spezialcontainer gefertigt. Dazu gehört auch der Geschützte Verwundetentransportcontainer (GVTC). Wie sieht hier die Entwicklung aus?
Glombek: Unter dem Stichwort GVTC verbirgt sich wieder einmal eine lange Entwicklung, die jetzt in einem ersten Auftrag durch die Bundeswehr mündet. Beim GVTC kommt es in besonderem Maße auf Mobilität an. Mit dieser Entwicklung zeigen wir, dass wir auch auf Fahrzeugen geschützte Räume erstellen können, die ganz spezifische Funktionen erfüllen. Wir sind kein Fahrzeughersteller, aber wir liefern Komponenten oder Rüstsätze, die dann mit Hilfe eines Fahrzeuges mobil gemacht werden. Genau dies ist mit dem GVTC hier realisiert. Die sichere Lagerung von Verletzten während des Transportes und die Möglichkeit der Betreuung während der Fahrt im Container wird hier erstmalig umgesetzt. DREHTAINER hat bereits vor einigen Jahren den Zero Shock® Boden entwickelt, ein System, das beim Transport auf der Straße bei Anschlägen mit Minen bzw. IED einen Zwischenboden entkoppelt und dadurch Verletzungen an Menschen, die sich in diesem Container befinden, verhindert. Damit haben wir einen Raum geschaffen, der bestmöglichen Schutz, zum Beispiel auf dem Weg von einer Erstversorgung in ein Krankenhaus, für schwer verletzte Soldaten im Einsatz liefert.
In den GVTC fließen alle bisher gemachten Erfahrungen im Medizinbereich mit ein. Wir haben bereits diverse medizinische Container geliefert, unter anderem Zahnarztpraxen und OP Einheiten in erweiterbaren 20ft 3in1 Containern nach Chile. Wir haben erweiterbare Container an den dänischen Katastrophenschutz und kürzlich auch Sanitätsanhänger an die Hamburger Feuerwehr geliefert. Diese Erfahrungen aus dem Medizinbereich münden jetzt auch in den GVTC. Wir konnten mit unserem Konzept überzeugen und haben den Auftrag von der Bundeswehr bekommen.
Stand ist, dass zunächst zwei GVTC beschafft werden, die dann innerhalb der Bundeswehr das komplette Erprobungsprogramm durchlaufen. Im Anschluss ist geplant, weitere Systeme in etwas größerer Stückzahl zu beschaffen.
HHK: Die neueste Firmenentwicklung ist der sogenannte MFD (Modular Flexible Drive). Was verbirgt sich dahinter?
Glombek: MFD hat sich in den letzten Jahren bei vielen zu einem mit DREHTAINER verbundenem Begriff entwickelt. MFD ist der Arbeitsname für eine Konzeptstudie, in der wir Demonstratoren realisiert haben, mit denen wir die Kompetenz von DREHTAINER in Sachen Schutz und Mobilität darstellen. Ich möchte hier deutlich unterstreichen, dass es nicht unser Ziel ist, Fahrzeuge zu entwickeln und zu bauen. Unsere Kompetenz liegt im Bau von geschützten Containern, ich könnte auch sagen Kabinen, Führerhaus oder Aufbau. Diese Produkte erscheinen manchmal wie ein ganzes Fahrzeug, sind aber tatsächlich nur Komponenten. So zum Beispiel eine Fahrerkabine, die mit dem Zero Shock®-System ausgerüstet ist. Dieser stellt sicher, dass alle Funktionen, die Fahrer und Beifahrer für das Führen des Fahrzeuges benötigen komplett Schock entkoppelt sind und damit schwere Verletzungen für Fahrer und Personal ausschließen. Das System ist mittlerweile auch in anderen Projekten realisiert und verkauft worden, unter anderem im GVTC. Wir können damit belegen, dass man mit Containern sehr mobile Lösungen für Einsätze realisieren kann. Ein zusätzliches Teilergebnis ist die Möglichkeit auf Fahrzeugen befindliche Container mit Rüstsätzen zu großen Räumen zu verbinden. Etwas, was in der Vergangenheit und in dieser Form nicht möglich war. Die Fahrzeuge werden nebeneinander platziert. Anschließend werden dann die Container durch einen Verschieberahmen positioniert und miteinander verbunden. Damit ist eine schnelle Inbetriebnahme möglich, genauso wie eine schnelle Verlegung an einen neuen Einsatzort. Damit demonstrieren wir eine hohe Mobilität von großen und auch geschützten Räumen.
HHK: Welche Auswirkung hat die Neuausrichtung der Bundeswehr, aber auch anderer Streitkräfte für Ihr Unternehmen?
Glombek: Die Neuausrichtung der Bundeswehr ist natürlich für alle, die die Bundeswehr beliefern, eine sehr spannende Angelegenheit. Für DREHTAINER bleibt dieser Umstand, wie auch in der Vergangenheit, eine Herausforderung. Wir wissen uns den neuen Aufgaben und Anforderungen mit entsprechenden Lösungsangeboten zu stellen und denken, dass wir eine ganz gute Ausgangsposition besetzen. Container und Logistik waren schon immer ganz wesentliche Aspekte für Mobilität. Die Einsätze werden wie von Minister de Maizière angesprochen möglicherweise von kleinerem Umfang sein, ihre Anzahl wird hingegen weiter zunehmen.
Allerdings wird mehr Beweglichkeit gefordert werden und schnell verlegbare Container, geschützt oder ungeschützt, mit verschiedenen Funktionalitäten wie Aufklärung, Führung, Sanitätswesen oder Versorgung werden in den Vordergrund rücken. Wir sehen in der Zukunft weniger große, sondern eher kleinere Feldlager, die häufiger verlegt werden. DREHTAINER hat dafür Konzepte und wir wollen uns gerne den neuen Anforderungen stellen und die dafür optimalen Lösungen entwickeln.
HHK: Meine Herren, der Hardthöhenkurier bedankt sich für das interessante Gespräch.
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