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04.08.2017 09:18 Alter: 46 Tage
Kategorie: Medien de

Die verlegefähigen Gefechtsstände der Luftwaffe – Aufbau, Ausrüstung, IT-Ausstattung

Aus: Europäische Sicherheit und Technik; 08/2017; Mittler Report Verlag GmbH


MobFüSysLw im Vordergrund und GSCS dahinter (Foto: ESG Elektroniksystem- und Logistik GmbH)

MobFüSysLw im Vordergrund und GSCS dahinter (Foto: ESG Elektroniksystem- und Logistik GmbH)

Die verlegefähigen Gefechtsstände der Luftwaffe bieten eine Infrastruktur, die geeignet ist, die Planung, Führung und Überwachung von Luftoperationen durchzuführen. Damit tragen sie wesentlich zur nationalen bzw. multinationalen Führungsfähigkeit bei.

Die Luftwaffe trägt mit ihren Fähigkeiten neben der Sicherung des deutschen Luftraumes entscheidend zur Operationsfreiheit der auf Land und See operierenden nationalen sowie verbündeten Streitkräfte bei. Die Sicherstellung einer günstigen Luftlage durch die sowohl bodengebundene als auch luftgestützte Abwehr von Bedrohungen aus der Luft, die Aufklärung durch den Einsatz von Sensoren und die Sicherstellung von Nachschubgütern durch die Luft sind dabei wesentliche Fähigkeiten der Luftwaffe, welche zum Operationserfolg beitragen, so niedergelegt in der "Militärischen Luftfahrtstrategie 2016". 
Diese Fähigkeiten werden zunehmend erst durch die Bereitstellung moderner IT-Diensten, den IT-Services, ermöglicht. In Einsätzen und Übungen außerhalb der Heimatstandorte werden diese Services im Bedarfsfall in einer verlegefähigen Infrastruktur, den Gefechtsständen der Luftwaffe, bereitgestellt. Diese werden durch das Führungsunterstützungszentrum Luftwaffe (FüUstgZentrLw), einem Verband auf Regimentsebene, betrieben. Sie umfassen das mobile Führungssystem Luftwaffe (MobFüSysLw), das Ground Support Container System (GSCS) für den Eurofighter sowie den Gefechtsstand des durch Deutschland für multinationale Operationen bereitzustellenden Joint Forces Air Component Headquarters (JFAC HQ (DEU).

 

Die Gefechtsstände des mobilen Führungssystems der Luftwaffe
Die GefStd des MobFüSysLw werden bei Einsätzen und Übungen z.B. einem Luftwaffengeschwader oder dem Kontingentführer im Einsatz beigestellt und dienen als Operationszentralen und IT-Zentren. Dort werden dank des Einsatzes modernster IT- und Kommunikationsmittel alle Informationen zusammengeführt. Die Zuordnung und Ausstattung der einzelnen Arbeitsplätze erfolgt je nach Bedarf und kann durch den Nutzerverband lageabhängig angepasst werden. Jeder Gefechtsstand ist modular aus 20-Fuß-Containern aufgebaut, die über einen Zeltgang miteinander verbunden sind. Der Gefechtsstand des MobFüSysLw besteht grundsätzlich aus elf Funktions-, zwei Kommunikations- und  einem Stromversorgungscontainer sowie einer Führungs- und Lagezelle Luftwaffe. Aufgrund des modularen Aufbaus können, ganz nach dem Grundsatz „tailored to the mission“, weitere IT-Systeme bzw. Funktionscontainer je nach Einsatzszenario ergänzt und integriert werden.
In den einzelnen Funktionscontainern können bis zu vier IT-Arbeitsplätze untergebracht werden, welche den aktuellen Anforderungen an die Arbeitsplatzergonomie in Hinsicht auf Ausleuchtung und Klimatisierung den aktuellen Anforderungen an die Arbeitsplatzergonomie entsprechen. Zudem besitzen sie eine spezielle Funkausrüstung für die Boden-Bord-Kommunikation sowie auch eine moderne Telefonanlage. Darüber hinaus sind alle Container abstrahlgeprüft und erlauben somit eine sichere Informations-/Datenverarbeitung (GEHEIM/NATO SECRET) in jedem Umfeld.
Über die redundant ausgelegten Kommunikationscontainer werden die Kommunikationsverbindungen innerhalb des Gefechtsstandes, mit anderen Kräften im Einsatz-/Übungsgebiet und mit dem Heimatland über eine weitreichende Anbindung hergestellt.
Die Führungs- und Lagezelle Luftwaffe bietet mit zwei koppelbaren Containern einen Raum für Lagevorträge und -besprechungen für bis zu 25 Personen. Sie ist mit zeitgemäßen Videokonferenz- und Präsentationsanlagen ausgestattet.
Der Stromversorgungscontainer verfügt über jeweils zwei intern verbaute Stromversorgungsaggregate und stellt die Stromversorgung des Gefechtsstandes sicher. Über diese speziellen Container ist auch die Durchleitung von externen Stromquellen möglich, sodass die Stromerzeugungsaggregate im Falle eines Stromausfalls bzw. Schwankungen des externen Stromnetzes die Container mit elektrischer Energie versorgen können.
Wenngleich sich die Gefechtsstände seit dem ersten Einsatz 1998 in zahlreichen Übungen und Einsätzen bewährt haben, neigt sich die Nutzungszeit nach nunmehr rund 20 Jahren im Einsatz dem Ende zu. Mit dem Projekt German Mission Network ist die erforderliche Regeneration auf den Weg gebracht und die Führungsfähigkeit der Einsatzverbände Luftwaffe auch zukünftig bei Übungen und Einsätzen sichergestellt.

 

Das Ground Support Container System Eurofighter (GSCS EF)
Für die Unterstützung des Einsatz- und Flugbetriebs des Waffensystems Eurofighter wird das GSCS EF bereitgestellt. Es ist ebenfalls modular aus 20-Fuß-Containern aufgebaut. Hierbei sind im Gegensatz zu MobFüSysLw die Funktionscontainer mit einem Gang aus Containern miteinander verbunden.
Ein GSCS EF besteht aus 13 Funktions-, zwei Server-, sieben Flur- und weiteren zwei Zusatzcontainern für den Transport und die Lagerung der Stromerzeugungs- und Klimamodule. Durch eine spezielle Systembauweise werden die Container zu einem Block aus 3x7 Containern verschraubt und bieten damit eine staubarme und vor allem witterungsgeschützte Arbeitsumgebung, die den Büros im Heimatland ähnelt. Die Funktions- und Servercontainer sind, unter der Voraussetzung, dass deren Türen geschlossen sind, abstrahlsicher ausgelegt.
Das GSCS EF stellt somit die Hülle für die zum Flugbetrieb des Eurofighters notwendigen Funktionen des Ground Support Systems, z.B. im Rahmen von Einsätzen und Übungen auf einer Deployed Operating Base, bereit.
Aus konzeptioneller Sicht sollen beide Gefechtsstandstypen nur zeitlich befristet zum Einsatz kommen. Für den Dauerbetrieb ist eine Infrastrukturlösung vorgesehen.

 

Die Gefechtsstandslösung für die Mission Counter Daesh (MCD)
Diesem Konzept folgend werden mittelfristig für den Gefechtsstand MCD 40 abstrahlsichere Funktionscontainer und 20 abstrahlsichere Flurcontainer beschafft, die in doppelstöckiger Bauweise errichtet werden. Aus dem Gefechtsstand MCD werden die deutschen Recce Tornados und der Airbus A310 MRTT geführt, die den aus Luftaufklärung und Luftbetankung bestehenden Auftrag des deutschen Einsatzkontingents erfüllen. Im Gefechtsstand werden dazu die einzelnen Aufträge entgegengenommen und an die beteiligten Flugzeugbesatzungen und Unterstützungskräfte ausgegeben. Die ausgeplanten Luftoperationen werden aus dem Gefechtsstand MCD geführt und dort auch ausgewertet. Auch die Aufklärungsbilder des Waffensystems Recce Tornado werden im Gefechtsstand MCD ausgewertet und können ggf. unmittelbar an alle berechtigten Akteure der Mission Counter Daesh weitergegeben werden. Dabei muss ein ständiger Informationsaustausch sowohl innerhalb des Gefechtsstands als auch mit den an der Operation "Inherent Resolve" beteiligten Partnern und mit den fliegenden Systemen unterbrechungsfrei gewährleistet sein.
Da im Gefechtsstand MCD aufgrund der militärischen Anforderungen VS-Informationen bis zum Geheimhaltungsgrad GEHEIM sowie vergleichbare Geheimhaltungsgrade von anderen NATO-Staaten verarbeitet werden, müssen auch hier abstrahlgeprüfte Container beschafft werden.
Der Gefechtsstand MCD dient somit nicht nur zur vorschriftsgemäßen, witterungsgeschützten Unterbringung und Integration der zur Führung des deutschen Einsatzkontingents erforderlichen IT. Zusätzlich werden die Ground Exploitation Station für das Waffensystem Recce Tornado sowie die Fernmeldezentrale für die Dienste Tetrapol, SATCOM MK, RBM und User Helpdesk integriert.

 

Der Gefechtsstand JFAC HQ (DEU)
Die Bundesrepublik Deutschland hat sich verpflichtet die Planung und Führung von Einsätzen von Luftstreitkräften in verschiedenen Einsatzgrößen im Rahmen einer multinationalen Führungsorganisation auf der operativen Ebene zu gewährleisten. Dazu und um bereits im Regelbetrieb sämtliche anfallenden Aufgaben zu erfüllen, betreibt die Luftwaffe ein Joint Forces Air Component Headquarters bzw. Air Component Command Headquarters/Air Operations Center.
Der GefStd des JFAC HQ (DEU) steht mit seinen IT-Arbeitsplätzen zur Unterstützung der Aufgaben bei der Planung und Führung von Luftoperationen – ggf. auch außerhalb des Bündnisgebietes – bereit. In der überwiegenden Anzahl sind diese Arbeitsplätze in fester Infrastruktur in Deutschland oder im europäischen Ausland untergebracht (Rear-Anteil). Darüber hinaus fordert die NATO grundsätzlich einen verlegefähigen Anteil, der Bestandteil dieses Gefechtsstands ist und je nach Anforderung des Auftrages (tailored to the mission) bereitgestellt werden kann.
Aufgrund der Struktur ist das JFAC HQ (DEU) flexibel skalierbar und kann gemäß den gestellten operationellen Forderungen mit einem Forward- und einem Rear-Anteil eingesetzt werden. Mit dem Projekt "ACC HQ Grundbefähigung" wurden die ersten 100 Arbeitsplätze realisiert. Die Zielbefähigung soll im nächsten Schritt bis zum Ende des Jahres 2017 erfolgen, um u.a. den von Deutschland eingegangenen Verpflichtungen hinsichtlich der NATO Response Forces für 2018 und die folgenden Jahre gerecht werden zu können. Insgesamt sind bei einer Verlegung des Gefechtsstands ca. 170 t Material und Ausrüstung zu transportieren. Dies stellt einen hohen logistischen Aufwand dar.

 

Führungsunterstützung aus einer Hand
Abschließend bleibt festzustellen, dass das FüUstgZentrLw nicht nur schlichter IT-Service Provider ist. Es ist darauf ausgerichtet, nach dem Grundsatz „Führungsunterstützung aus einer Hand“ neben der notwendigen abstrahlsicheren Infrastruktur am jeweiligen Einsatzort, auch IT-Endgeräte, verlegefähige Netze und Server sowie das notwendige Betriebspersonal bereitzustellen. Dabei erfolgt diese Leistung immer in Abhängigkeit der jeweiligen Gegebenheiten im Einsatzgebiet und skalierbar auf den erforderlichen operationellen Bedarf der Luftwaffe hin optimiert. Die Notwendigkeit, für diese besondere Aufgabe hochqualifiziertes IT-Fachpersonal zu gewinnen und ständig einsatzbereit zu halten, stellt eine besondere Herausforderung dar. Junge Soldatinnen und Soldaten lassen sich dafür aber auch gerne begeistern, da der gemeinsame Auftrag der Luftwaffe verbindet.
Der Servicegedanke beginnt jedoch deutlich früher: Bereits in der Planungsphase stellt das FüUstgZentrLw den jeweiligen Einsatzverbänden der Luftwaffe für jedes Vorhaben ein Projektteam zur Verfügung. Dieses arbeitet intensiv mit dem Führungsunterstützungspersonal des jeweiligen Verbandes zusammen. Es erfasst die Informationsaustauschbeziehungen und plant den Einsatz der daraus abgeleiteten Führungsunterstützung, koordiniert Absprachen mit anderen Service Providern, leitet den Transport von IT-Material und IT-Fachpersonal ein, begleitet den Aufbau und steuert den Betrieb vor Ort. Am Ende kümmert es sich auch um den geordneten und zeitlich abgestimmten Rückbau. Die erforderlichen Qualifikationen gehen somit weit über IT-Kenntnisse hinaus. Für diese Projektteams werden nicht nur reine IT-Spezialisten benötigt, sondern verantwortungsbewusste, mitdenkende Soldatinnen und Soldaten, die die geforderten Fähigkeiten des Operateurs verstehen, über organisatorisches Geschick verfügen, auslandsverwendungsfähig sind und auch ausgeprägte Teamfähigkeiten besitzen.
Bereits heute stellt sich das Führungsunterstützungszentrum Luftwaffe mit der Verfügbarkeit sowie Aus- und Weiterbildung von hochqualifiziertem IT-Fachpersonal den Herausforderungen von morgen.

 

Autoren: Oberst Gerald Schreiber ist Kommandeur des FüUstgZentrLw, Oberstleutnant Lutz Langanki ist Stellvertretender Kommandeur und S3-Stabsoffizier, Major Thomas Müller ist Sektorchef Führungsunterstützungssektor 3 und Major Rudolf Stegmaier Sektorchef Sektor 1.


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