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13.05.2013 15:34 Alter: 5 Jahre
Kategorie: Medien

PATRIOT schützt die Türkei

Aus: Wehrtechnik 2/2013


The mobile CCIS with satelite communicaton link (photo: PIZ Luftwaffe)

The mobile CCIS with satelite communicaton link (photo: PIZ Luftwaffe)

Stefan Klenz, André Forkert
Am 20. Januar 2013 verlegte das 1. Deutsche Einsatzkontingent FlaRak der Bundeswehr in die Türkei. Dort haben die insgesamt rund 300 Soldaten im Rahmen der Operation Active Fence Turkey (AF TUR) ihren Auftrag als Teil des Integrierten Luftverteidigungssystems der NATO aufgenommen. Die FlaRak-Kräfte des ersten Kontingents werden überwiegend durch die Flugabwehrraketengruppen 21 (Sanitz) und 24 (Bad Sülze) gestellt.


Deutsche PATRIOT-Kräfte waren in den Einsätzen der Bundeswehr bislang nicht gefordert, da die internationalen Konflikte der vergangenen Jahre andere Teilbereiche der Streitkräfte sowie anderes Konfliktlösungspotential erforderlich machten. Bisher wurden aber durch die Soldaten des Flugabwehrraketendienstes fünf Operational Mentoring and Liaison-Teams (OMLT) im Rahmen der ISAF-Mission in Afghanistan sowie regelmäßig auch ein Sicherungszug für den KFOR-Einsatz im Kosovo gestellt. Derzeit wird das zweite Kontingent für den Türkeieinsatz ausgebildet. Ein Kontingent besteht aus zwei Kampfstaffeln sowie einer Führungs- und Unterstützungskomponente mit insgesamt rund 170 Soldaten. Die Staffeln sind nach Umfang und Ausrüstung an die spezifischen Gegebenheiten des stationären Einsatzes in der Türkei angepasst. Eine FlaRak-Staffel PATRIOT der deutschen Luftwaffe besteht in der Regel aus: Radargerät (RS) mit phasengesteuerten Antennen zum Erfassen, Führen und Verfolgen von mehreren Zielen, Feuerleitanlage (ECS) mit Waffensystemrechner, bis zu acht Startgeräten (LS) mit je vier Lenkflugkörpern in der PAC-2 bzw. bis zu 16 Flugkörper in der PAC-3 Konfiguration und IP-basierten Kommunikationssystemen zur Daten- und Sprachübertragung zwischen den Feuereinheiten sowie zu übergeordneten Führungsebenen.

Beim Einsatz AF TUR werden die FlaRak-Kräfte durch Personal des Heeres, der Streitkräftebasis (SKB) und des Zentralen Sanitätsdienstes unterstützt, vor allem im Bereich der ABC-Abwehr, der Logistik und des Sanitätswesens. Die Mandatsobergrenze liegt bei 400 Soldaten, ca. 300 befinden sich derzeit im Einsatz. Der Kontingentführer aller deutschen Soldaten ist Oberst Marcus Ellermann, Kommodore des Flugabwehrraketengeschwaders 1 in Husum. Das Mandat ist zunächst auf 12 Monate bis zum 31. Januar 2014 begrenzt und die Soldaten bleiben für ca. vier Monate vor Ort.
Parallel zum Türkeieinsatz wird auch der NRF-Auftrag mit drei weiteren Kampfstaffeln, zuzüglich Führungs- und Unterstützungskomponente, aufrechterhalten. Daraus ergibt sich ein erheblicher Einsatzbeitrag der PATRIOT-Kräfte der Luftwaffe, die zudem zum 1. April 2013 im Rahmen der Umstrukturierung der Bundeswehr um ca. 50% reduziert wurden.

Auftrag
Aufgrund des sich zuspitzenden Konflikts in Syrien bat die Türkei zum Schutz der eigenen Bevölkerung die NATO im November 2012 offiziell um Unterstützung mit PATRIOT-Waffensystemen. „Die Kernfähigkeiten unserer Systeme zur Flugkörperabwehr können den notwendigen Schutz gegen die potenzielle Bedrohung durch syrische Raketen vom Typ SCUD gewährleisten“, so Oberstleutnant Stefan Klenz, Kommandeur Flugabwehrraketengruppe 24 in Bad Sülze und Führer des FlaRak-Anteils des zweiten Einsatzkontingents.
Insgesamt stellt die NATO sechs Kampfstaffeln als Unterstützung zur Verfügung, je zwei aus Deutschland, den Niederlanden und den USA. Der Auftrag in der Türkei ist dabei nicht der Schutz der Grenzgebiete gegen mögliche Mörserangriffe oder gar die Einrichtung einer Flugverbotszone, sondern der Schutz von Bevölkerungszentren. Durch die deutschen Kräfte wird die Stadt Kahramanmaras mit ihren ca. 400.000 Einwohnern geschützt, die rund. 100 km von der syrischen Grenze entfernt liegt.
In der Türkei steht der ATBM-Auftrag (Anti Theatre Ballistic Missile) im Vordergrund. Der multinationale Einsatz wird dabei direkt aus dem Führungsgefechtsstand des NATO-Befehlshabers für die Luftstreitkräfte in Europa in Ramstein geführt, welcher unter anderem auch Frühwarninformationen bereitstellt. Über LINK 16 werden alle beteiligten Führungskomponenten in einem Informationsraum vereint und können dadurch in Echtzeit miteinander kommunizieren. So kann ein effektiver Einsatz der Kräfte unter unmittelbarer Führung der NATO sichergestellt werden.
Die deutschen Kräfte verfahren nach der Maxime: “Show of Force“. So soll gemeinsam mit den Bündnispartnern eine Ausweitung des Konflikts auf türkisches Territorium verhindert werden, was den defensiven Charakter dieses Einsatzes unterstreicht. Der Einsatz unterscheidet sich in einigen Facetten erheblich von den bei Übungen genutzten Szenarien. Während in der Ausbildung der FlaRak-Kräfte das Ziel verfolgt wird, möglichst viele Bedrohungsbereiche abzubilden und ein breit gefächertes Repertoire an Reaktionsmöglichkeiten zu schulen, werden die Soldaten in der Türkei vor allem mit langen Bereitschaftsphasen im „Standby“ konfrontiert. Hier gilt es in erster Linie, trotz ausbleibender Angriffe, stets ein wachsames Auge zu behalten, aber, wenn nötig, auch in Sekundenschnelle zu reagieren.

Alleinstellungsmerkmale
Das Flugabwehrraketensystem PATRIOT wurde von der Firma Raytheon ursprünglich zur Bekämpfung von Flugzeugen entwickelt. Die Weiterentwicklung und Anpassung des Waffensystems ermöglicht inzwischen auch die Abwehr taktischer ballistischer Raketen und Cruise Missile. Nur Deutschland verfügt neben den USA und den Niederlanden über PATRIOT Config-3 Systeme mit dem Effektor PAC-3 CRI. Im Rahmen der KWA 2 (Kampfwertanpassung) wurde das gesamte PATRIOT-System in verschiedenen Bereichen modifiziert und modernisiert. Dazu gehörten Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Fernmelde- und Datenverarbeitungssystems, die Verbesserung der Radargeräte, die Einführung des Flugkörpers PAC 3 CRI sowie die notwendige Umrüstung der Startgeräte für diesen Lenkflugkörper.
Hauptauftragnehmer für die deutschen PATRIOT-Systeme ist die MBDA Deutschland. Sie war im Rahmen der KWA 2 für die Weiterentwicklung der PATRIOT-Systeme verantwortlich. Über das Joint Venture COMLOG (MBDA Deutschland/Raytheon) ist die MBDA Deutschland für die Wartung aller in Europa eingesetzten PAC 2 und PAC 3 Flugkörper verantwortlich.

Im Einsatz
Operationell einsatzbereit sind die deutschen Staffeln seit dem 28. Januar 2013. Der Türkei-Einsatz ist dabei eher PATRIOTuntypisch, da sich die Einheiten im stationären Einsatz befinden und nicht wie bei Übungen als mobiles Waffensystem zum Einsatz kommen. Auch die Einsatzgrundsätze sowie die Führungsstruktur sind speziell auf die Anforderungen dieses Einsatzes zugeschnitten. Durch die Neuartigkeit des Einsatzes müssen sich Abläufe und bisher verwendete Aktionsmuster erst bewähren – eine Anpassung ist daher nicht ausgeschlossen.
Unabhängig von den Rahmenbedingungen zeigt dieser Einsatz jedoch deutlich,
wie wichtig die Fähigkeiten der bodengebundenen Flugabwehr auch heute noch sind und sicherlich auch künftig im Rahmen der NATO-Flugkörperabwehr bleiben werden. Im Rahmen der Ausbildung der Waffensystembesatzungen führt die FlaRak jährlich ein Taktisches Schießen auf Kreta durch, um den Status „combat ready“ zu erreichen. Das 1. Einsatzkontingent war erst im Oktober 2012 turnusmäßig dort und hat seine Fähigkeiten mit einem exzellenten Ergebnis untermauert. Vor Einsatzbeginn wird jedoch speziell das Taktikpersonal in verschiedenen Ausbildungsabschnitten geschult, um insbesondere den spezifischen örtlichen Gegebenheiten in der Türkei Rechnung zu tragen. Nicht zuletzt durch die Geographie vor Ort ergeben sich andere Stellungserfordernisse als in Deutschland. Erkenntnisse und Expertise des Taktischen Aus- und Weiterbildungszentrums FlaRak der Luftwaffe in El Paso/Texas werden in diese Zusatzausbildung unmittelbar eingebunden.
Im Einsatz wird eine Kampfstaffel PATRIOT aus dem Staffelgefechtsstand von einem Major geführt, der die Gesamtverantwortung trägt. Taktischer Entscheider ist der Tactical Control Officer (TCO) im Dienstgrad Leutnant/Oberleutnant, der die Führung im Feuerleitstand ausübt. Er arbeitet Hand in Hand mit dem Tactical Control Assistant (TCA). Beide werden durch einen Monitor, der stets den Gesamtüberblick behält, unterstützt. Mehrere Staffeln werden durch den übergeordneten Kampfführungsstand (ICC) geführt, in dem der Tactical Director (TD) im Dienstgrad Hauptmann mit einem erfahrenen Assistenten (TDA) im Dienstgrad Stabsfeldwebel/Oberstabsfeldwebel im Auftrag des Gruppenkommandeurs den Waffensystemeinsatz steuert.
Zur Regelung des Host Nation Support hat die NATO mit der Türkei ein „Implementation Agreement“ geschlossen. Darin ist im Kern geregelt, dass die Türkei beispielsweise für die Unterbringung des deutschen Einsatzkontingentes verantwortlich ist. Neben den zur Verfügung gestellten Gebäuden wird eine neue Infrastruktur geschaffen, um die Anforderungen, gerade was die personellen Bedürfnisse im Schichtbetrieb betrifft, zu erfüllen. Reibungsverluste lassen sich zwar in der Anfangsphase nicht vermeiden, doch insgesamt sind beide Seiten sehr bemüht, die Rahmenbedingungen für den Einsatz des deutschen Kontingentes zügig zu optimieren.

Ausblick
Das deutsche Waffensystem PATRIOT ist seit Ende der 1980er Jahre im Einsatz und kann bis ca. 2020 in der jetzigen Konfiguration betrieben werden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt müssen notwendige Maßnahmen zur Verlängerung der Nutzungsdauer eingeleitet bzw. umgesetzt sein, um den zukünftigen operationellen Anforderungen der Luftverteidigung und Flugkörper abwehr gerecht zu werden. Während für die deutschen PATRIOT-Systeme in den nächsten Jahren noch einige Modifizierungen geplant sind, sind die USA technisch schon einen Schritt weiter. Dort wird eine komplette Neuentwicklung der Waffensystemsoftware geplant, die mit der zurzeit genutzten Software vermutlich nur noch den Namen gemein haben wird. Laut eines Berichts des BMVg aus dem Jahr 2010 wäre eine entsprechende Modernisierung der deutschen PATRIOT-Systeme jedoch weder aus operationeller noch technisch-wirtschaftlicher Sicht sinnvoll, weil die derzeit bestehenden Fähigkeitsforderungen an die zukünftige Luftverteidigung der Bundeswehr auch mit einem modernisierten PATRIOT-System nicht vollständig erfüllbar wären. Welche Lösung daher für die deutsche Luftwaffe zukünftig gewählt wird, ist aus heutiger Sicht noch offen. Das Waffensystem MEADS bzw. die Ergebnisse aus dessen bisheriger Entwicklung werden dabei jedoch sicherlich eine Rolle spielen können.


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